Werkzyklus Analytiques

Analytiques ist für mich ein offener, fortlaufender Werkzyklus, in dem ich architektonische Strukturen untersuche, zerlege, neu zusammensetze und in eine zunehmend abstrakte Bildsprache überführe. Jede Arbeit beginnt mit einem dialogischen Moment: Ich trete in Kontakt mit einem Gebäude, seinem Rhythmus, seiner Geschichte, seinen Brüchen. Aus Plangrafiken, Fotografien oder Stadtplänen entstehen erste Schichtungen, die ich fragmentiere, verschiebe und in neue Ordnung bringe. Diese Konstruktionen bilden das Fundament, auf das ich malerisch reagiere.

Mein Prozess ist zugleich intuitiv und analytisch. Mit Tinte, Acryl- und Aquarellfarben, mit Pinseln, Spachteln, Collage-Elementen oder meinen Händen entwickle ich Linien, Flächen und Leerstellen, die das Architektonische allmählich auflösen. Ich erlaube mir freie Perspektiven, Irritationen und Verdichtungen. So entsteht eine Malerei, die sich vom Gegenständlichen löst und das Veränderbare, Prozesshafte sichtbar macht.

In Analytiques erforsche ich vor allem Lüneburg sowie prägnante Bauwerke der Gegenwart und Architekturgeschichte. Ein zentrales Beispiel ist meine intensive künstlerische Auseinandersetzung mit dem Libeskind-Neubau der Leuphana Universität.

Hamburg

Meine Hamburger Arbeiten kreisen um den Hafen als kraftvolles Bildmotiv: Kräne, Containerschiffe, Wasserspiegelungen und die markante Silhouette der Elbphilharmonie prägen die Kompositionen. Mich interessiert die Spannung zwischen industrieller Struktur, bewegtem Wasser und dem welchselndem Licht.

In vielen Arbeiten entstehen Überlagerungen: Selbstgemachte Fotografien – unter anderem vom Blue Port – sowie gedruckte Stadtpläne und historische Schwarz‑Weiß‑Aufnahmen dienen als Grundlage, die ich mit kraftvoller Farbe überarbeite.

Porto

Im Mai und Juni 2018 bezog ich für sechs Wochen eine kleine Atelierwohnung im historischen Kern der protugiesischen Hafenstadt Porto. In den ersten Tagen zeichnete ich analytisch mit feiner Linie den Reichtum der Fassaden der alten Kaufmannshäuser, die romantischen Plätze, das feingliedrige Konstrukt der schmiedeeisernen Bogenbrücke und die Silhouette der Altstadt vom gegenüberliegenden Duoro-Ufer. 

Gleichzeitig wuchs meine Neugier auf die Geschichte der Stadt. Im Stadtmuseum und in der Architekturfakultät der Universität Porto entdeckte ich historische Stadtpläne und alte Fotografien, die ich als Bildgrund nutzte, um meine aktuellen Skizzen mit der Vergangenheit Portos zu verbinden.

Im Laufe der Wochen veränderten sich meine Skizzen. Ich verließ die anfängliche Position der distanzierten Beobachterin. Farbe trat in den Vordergrund, getragen von Stimmung und Atmosphäre. Großzügige, schnelle, expressive Pinselstriche lösten die anfängliche analytische Annäherung und Strenge ab. Die Motive reduzierten sich zugunsten vom fließenden Wasser im Aquarell. Die neue Bildsprache wurde zum Ausdruck meiner stärker werdenen emotionalen Verbindung zu diesem Ort.

Stadtvisionen

In meinem Werkzyklus Stadtvisionen setze ich mich mit utopischen Stadtbildern auseinander. Ich arbeite experimentell mit Collagen, Fantasien und Humor. Dabei gehe ich von der gewachsenen, historischen Stadt Lüneburg aus und werfe aktuell relevante Fragen auf: Wie sieht die Architektur, die Energieversorgung, die Mobilität der Zukunft aus? Werden wir mit einem Individualdronenverkehr einfliegen, um eine alte Hansestadt wie Lüneburg, einem Disneyland ähnlich, gegen Eintritt zu besuchen, während sich das moderne Leben in futoristischen, klimaneutralen Gebäuden mit hängenden Gärten in luftiger Höhe abspielt? Als Künstlerin kann ich Visionen, Gedanken und Konzepte unabhängig von konfliktreichen Realitäten und Machbarkeit abbilden und ausformulieren.

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